Immer wieder werde ich auf die von mir erfundene Sprache Alaju angesprochen und es gibt da ein Missverständnis das ich mit diesem Text auszuräumen hoffe.
Alaju hat nichts mit der Elfensprache Tolkiens zu tun, nichts mit Klingonisch oder anderen Sprachen, die dazu dienen Leben und Nähe in und zu einer Geschichte zu schaffen oder einen fiktionale Welt zu schaffen. Vor Tolkiens Geschichte, wissen und können habe ich grössten Respekt und natürlich entfleucht auch mir ab und zu ein klingonisches Qapla‘
Alaju dient dazu die Tür zu einer Philosophie zu öffnen und dir die Möglichkeit zu geben die Welt und alles, was darin geschieht aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
Was Alaju ist
2020 habe ich Alaju im Kontext, der von David Krieger und mir erfundenen Nienetwiler Kultur entwickelt. Diese Kultur versteht die Welt nicht als Ansammlung fester Dinge, sondern als Geflecht von Beziehungen zwischen Menschen, Objekten und ihrer Umwelt. Handlungen entstehen in temporären «Sammlungen» (gadho), in denen alle Beteiligten – Mensch wie Nichtmensch – gleichwertig eingebunden sind. Hierarchie wird dabei abgelehnt, Verantwortung ist geteilt und entsteht im gemeinsamen Handeln.
Vor diesem Hintergrund erfüllt Alaju eine zentrale Funktion: Es ist kein Kommunikationsmittel im klassischen Sinn, sondern ein bewusst gestaltetes Werkzeug, um diese Denkweise erfahrbar zu machen.
Die Entwicklung einer eigenen Sprache wirft zunächst die Frage auf, weshalb bestehende Sprachen nicht ausreichen. Der entscheidende Punkt liegt darin, dass jede natürliche Sprache bereits ein historisch gewachsenes Weltbild in sich trägt. Begriffe sind mit Bedeutungen, Bewertungen und kulturellen Annahmen aufgeladen. Wer innerhalb dieser sprachlichen Strukturen denkt, bewegt sich zwangsläufig auch innerhalb ihrer Grenzen.
Alaju setzt genau hier an. Es schafft einen Raum, in dem Bedeutungen neu gedacht werden können, ohne an bestehende Denkmuster gebunden zu sein.
In diesem Sinne ist Alaju ein philosophisches Sprachsystem. Es dient nicht der effizienten Verständigung, sondern der Reflexion. Es ist darauf ausgelegt, Denkprozesse auszulösen, nicht sie zu vereinfachen.
Ein Beispiel
Sprache wird hier also nicht als Mittel zur Beschreibung einer gegebenen Welt verstanden, sondern als Werkzeug, mit dem Welt überhaupt erst strukturiert und erfahrbar wird.
Ein prägnantes Beispiel ist das Wort ar, das nicht einfach «dazwischen» bedeutet, sondern ein relationales Verständnis ausdrückt: Es beschreibt das Eingebundensein in eine Situation, das Teilsein einer gemeinsamen Handlung, in der Möglichkeiten und Beziehungen entstehen und letztlich Sinn geschaffen wird. Der Fokus liegt nicht auf isolierten Objekten, sondern auf dem, was zwischen ihnen geschieht.
Damit wird deutlich, dass Alaju nicht darauf abzielt, eine alternative Realität zu erfinden, sondern Wahrnehmung zu verschieben. Es macht sichtbar, dass Bedeutung immer im Kontext entsteht – im Zusammenspiel von Beteiligten, Situationen und Interpretationen.
Im Unterschied zu Plansprachen wie Esperanto oder fiktionalen Sprachen aus Literatur und Film soll Alaju weder internationale Verständigung erleichtern noch eine fiktive Welt ausschmücken. Sein Zweck liegt vielmehr darin, als konzentrierter Ausdruck einer bestimmten Philosophie – genannt Nienetwiler Kultur – zu dienen.
Künstlerisch-literarisches Werk
Zugleich ist Alaju künstlerisch-literarischer Ausdruck des Weltverständnisses seines Erfinders. Diese künstlerische Dimension ist wesentlich, denn sie erlaubt es, spielerisch mit Bedeutung umzugehen und neue Perspektiven zu entwickeln, ohne an funktionale Anforderungen gebunden zu sein. Der Einsatz von Wortwitz und klanglichen Assoziationen unterstreicht diesen Ansatz. Wörter können bewusst irritieren, Erwartungen unterlaufen oder neue Verbindungen herstellen. Dadurch wird Denken nicht nur rational, sondern auch intuitiv angeregt.
Austausch der Kulturen
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der kulturelle Charakter der Sprache. Alaju sammelt und transformiert Einflüsse aus verschiedenen Sprachräumen, was die Offenheit und Beweglichkeit der zugrunde liegenden Kultur widerspiegeln. Diese Praxis ist nicht als Aneignung gedacht, sondern als Ausdruck von Interesse und Respekt gegenüber anderen kulturellen Perspektiven. Sie macht deutlich, wie stark Sprache eine Kultur prägt und wie stark eine Kultur ihre Sprache prägt.
Die Worte «Fremder» Kulturen sind dabei nicht etwa Schaufenster dieser Kultur, denn das ist unmöglich, sondern machen im Gegenteil deutlich, dass wir eine andere Kultur eben gar nicht vollständig erfahren und verstehen können – und auch nicht den Versuch starten sollten – sondern das Andere als etwas annehmen das uns in der Interaktion herausfordert und so das Potenzial an Möglichkeiten vervielfacht.
eskanditu·alaju·tu·ekwasitu·ma·eta·aaieh;ekirgutu·alaju·eta·ehurztu:
Ich erschuf alaju um die Welt und das Bewusstsein zu verstehen; ich las alaju und hurzte
Simon Smy Meyer, 3. April 6nN





