Ist Philosophie ein Stilmittel der Kunst?

Kunst als Stilmittel der Philosophie oder Philosophie als Stilmittel der Kunst?

Wer wissen will was Nienetwil ist oder was hinter Nienetwil steckt verfängt sich schnell in einem Geflecht aus Philosophie und Kunst. Oft ist nicht nachzuvollziehen, wo das Eine anfängt und das andere aufhört, und es stellt sich vielen die Frage: Ist das gewollt?

Ja ist es!

Philosophie – mit Ausnahme natürlich des ganzen, wie ich finde, aufgeplusterten akademischen Zirkus – ist erst einmal die Liebe zur Weisheit, also des Verstehens der Welt. Soweit mir bekannt ist, gibt es keine Definition oder Regel wie man diese Liebe zur Weisheit zeigen soll. Persönlich bin ich ja der Meinung, dass ich das auf eine möglichst abwechslungsreiche und verspielte Weise tund möchte, aber Menschen sind eben verschieden.

Nienetwil, möchte man alles auf das Minimum reduziert formulieren, ist die Erkenntnis, dass das, was alles miteinander verbindet, das Sammeln ist.

Der Mensch sammelt, wenn er mit anderen Menschen oder Nichtmenschen interagiert. Netzwerke, Gemeinschaften und Arbeitsgruppen aus Menschen und z.B. Werkzeugen sind Sammlungen. Das ist es, was Nienetwil erklärt. Und es erklärt, welche Mechanismen in solchen Sammlungen wirken, welche «Ethik» diese Erkenntnis zur Folge hat, und letztlich zeigt die Möglichkeiten auf, wie gemeinsames Handeln in der Zukunft wirkungsvoller und besser gestaltet werden kann.

Nun kann man das, wie es mein sehr geschätzter Projekt-Kollege David Krieger tut, philosophisch und sozialwissenschaftlich erklären. Da ich aber weder Philosoh noch Sozialwissenschaftler bin, und Latour lieber trinkte als lese, muss ich eine künstlerische Ausdrucksform finden, mit der sich Nienetwil erklären lässt. Da Nienetwil aber als eine komplexe Welt aufgebaut ist, bedarf es verschiedener künstlerischer Ausdrucksformen. Literatur, Bildende Kunst, Musik und andere dienen mir dazu, die Sachverhalte gemeinsamen Handelns deutlicher zu machen und einen einfachen nichtakademischen Zugang zu schaffen. Es ist mir bewusst, dass nicht alles die selbe Qualität haben kann. Ebensowenig wie eine akademisch-philosophische Ausbildung, genoss ich eine akademische künstlerische Bildung, und ich sage es deutlich: Das ficht mich nicht an. Wenn ich Spass haben will, lass ich mich doch nicht von Bildung bremsen!

Philosophie und Kunst. Beide sind also ganz eigene Wege, und keiner besser oder schlechter. Der Unterschied liegt bei der Ausdrucksform. Und daher stellt sich die Frage: Ist die Kunst ein Ausdrucksmittel der Philosophie, oder die Philosophie ein Ausdrucksmittel der Kunst?

Tatsächlich ist die Frage als reine Provokation gedacht, denn ich glaube, dass es weder das Eine noch das Andere ist. Kunst ist ebenso wie Philosophie, lediglich ein Werkzeug, das wir uns nehmen, wenn wir verstehen wollen was um uns herum geschieht, und diese Gedanken mit jemandem teilen wollen.

Die Ergänzung und das Ineinanderfliessen von Kunst und Philosophie in den «Cahiers de recherche de Nienetwil» oder ganz allgemein im Projekt Nienetwil, ist eine Möglichkeit Aspekte von Nienetwil, also der Welt, sichtbar zu machen, und auf der einen Seite einen akademischen, auf der anderen Seite einen Künstlerischen Zugang zum selben Denkraum zu schaffen.

Und ganz unter uns: Es ist ein wirklich ganz unglaublicher Spielplatz in dem ich mich nach Lust und Liebe austoben kann.

 

 

Simon Smy Meyer, 1. Februar, 2026

Beitragsbild: Doppelbelichtung, Simon Smy Meyer, 31.1.2026